Airberlin hat Insolvenz angemeldet – und nun?

Am 15. August 2017 hat airberlin einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. So ganz überraschend kam das eigentlich nicht, da finanzielle Schwierigkeiten von airberlin lange bekannt waren. Schon als wir Anfang 2016 unsere AIDA Familien Kreuzfahrt für März 2018 mit geplantem Abflug ab Düsseldorf gebucht hatten, gab es Warnungen und Gerüchte, airberlin würde möglicherweise nicht mehr so lange durchhalten und wir könnten nicht unbedingt damit rechen, dass uns airberlin noch in die Karibik fliegen würde. Nachdem so lange Zeit trotz dieser Warnungen nichts passierte, traf uns die Insolvenz von airberlin zum jetzigen Zeitpunkt trotzdem wie aus heiterem Himmel.

Insolvenz airberlin

airberlin Boeing 737, Bildquelle: Dennis Bhogal / airberlin

Das ist der Inhalt der airberlin Pressemitteilung vom 15. August 2017:

“airberlin hat heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, um die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen.

Die Bundesregierung, die Lufthansa und weitere Partner unterstützen die airberlin bei ihren Restrukturierungsbemühungen. Die Bundesregierung unterstützt airberlin mit einem Brückenkredit, um den Flugbetrieb auch langfristig aufrecht zu erhalten.

Das bedeutet:

  • Alle Flüge der airberlin und NIKI finden weiterhin statt
  • Die Flugpläne bleiben gültig
  • Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit
  • Alle Flüge sind weiterhin buchbar

Die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen der airberlin sind weit fortgeschritten und verlaufen erfolgsversprechend. Diese Verhandlungen können zeitnah finalisiert werden.

Thomas Winkelmann, CEO airberlin: „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.“

Hintergrund des heute erfolgten Schrittes ist die Mitteilung der Etihad, dass sie nicht mehr beabsichtigt, airberlin finanziell zu unterstützen.”

Für mich war das zum jetzigen Zeitpunkt unter anderem deshalb überraschend, weil airberlin noch wenige Tage zuvor am 10. August 2017 in einer Pressemitteilung von sehr positiven Zahlen berichtet hatte:

” Im Juli beförderte airberlin 2.441.107 Fluggäste und verzeichnete eine Auslastung in Höhe von 87,1 Prozent. Der Sitzladefaktor konnte gegenüber dem Vormonat um deutliche 2,6 Prozent gesteigert werden.
In ihrem globalen Streckennetz hat airberlin im Juli 2,905 Millionen Sitze angeboten. Die Fluggäste legten 4,046 Milliarden Passagierkilometer (RPK) zurück und die verfügbaren Sitzplatzkilometer (ASK) beliefen sich auf  4,645 Milliarden.”

Nach der Ankündigung der Insolvenz herrscht natürlich überall helle Aufregung. Zwar sollen die mit airberlin geplanten Flüge vorerst weiter stattfinden und schon gekaufte Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten. Aber vor allem Individualreisende haben Angst, dass ihre Flüge nicht mehr stattfinden und dass sie ihre schon geleisteten Vorauszahlungen nicht wiedersehen, wenn diese in die Konkursmasse übergehen. Am schlimmsten sind verständlicherweise die Ängste der Mitarbeiter von airberlin, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben.

Die Auswirkungen, die die Insolvenz von airberlin auf unsere bei AIDA gebuchte Kreuzfahrt hat, hören sich verglichen damit harmlos an. Denn AIDA reagierte sehr schnell und nur knapp zwei Tage nach der airberlin Bekanntgabe zum Insolvenzverfahren leitete unser Reisebüro uns folgende email von AIDA weiter:

“Lieber Reisebüropartner, wir möchten Sie über eine wichtige Flughafenänderung für unsere Karibik Reisen mit AIDAdiva und AIDAluna im Zeitraum November 2017 bis April 2018 informieren.

Aus operativen Gründen hat sich der ursprünglich geplante innerdeutsche Flughafen für die An- und Abreise unserer gemeinsamen Kunden von Düsseldorf auf Köln/Bonn geändert.

Die genauen Flugzeiten erhalten die betroffenen Gäste mit ihren Reiseunterlagen. Für die Flexibilität unserer Gäste bedanken wir uns mit einem Bordguthaben in Höhe von 25 € pro Person und Strecke (ausgenommen Babys ohne eigenen Sitzplatz). Dieses ist nur während der Reise einlösbar und weder übertragbar noch auszahlbar.”

Aha, da hat AIDA also unseren Abflughafen geändert. Abflug ab Düsseldorf bedeutet bei den durch AIDA organisierten Flügen in die Karibik normalerweise Flug mit airberlin. Und wer ab Köln/Bonn fliegt, konnte bisher ziemlich sicher sein, dass die Fluggesellschaft Eurowings sein würde. Eigentlich gar nicht so schlimm. Trotzdem gibt es für uns ein Aber!

Der eigentliche Grund, warum ich mit der Umbuchung von Düsseldorf auf Köln nicht happy war, ist folgender: Ausser mir sind die anderen Mitglieder meiner Familie recht gross gewachsen. Mein Mann ist über 1,90 m gross, mein Sohn fast 1,90 m und meine Tochter fast 1,80 m. Verglichen damit bin ich mit meinen 1,65 m ein Zwerg. Aufgrund der Körpergröße spielt für meine Familie der Sitzabstand bei einem so langen Flug von Deutschland bis in die Karibik eine wichtige Rolle. Niemand möchte sich zehn Stunden lang wie in eine Konservenbüchse eingesperrt fühlen. Sowohl airberlin wie auch Eurowings bieten zwar gegen Aufpreis XL Sitze mit mehr Beinfreiheit an. Aber für den gleichen Preis, den wir bei AIDA dafür hätten zahlen müssen, hätten wir bei airberlin bis zu 99 cm Sitzabstand erhalten, bei Eurowings nur ca 86 cm. Das wären nur ca 10 cm mehr als auf den economy Sitzplätzen von Eurowings. Und das zu einem ganz schön happigen Aufpreis von 760 Euro für uns Vier (90 Euro pro Person pro Strecke). AIDA verdient ja schliesslich an den Aufpreisen bei den XL Sitzen noch mal kräftig mit.

Das war für uns inakzeptabel. Deshalb habe ich recherchiert, welche andere Sitzplatz-Angebote es von Eurowings gibt. Und dabei bin auf die sogenannte “Eurowings Best Class” gestossen. In dem Airbus A320-200, mit dem wir voraussichtlich in die Karibik fliegen werden, gibt es seit kurzem 21 Best Class Sitze in einem abgetrennten Bereich ganz vorne im Flugzeug. Auf diesen Sitzplätzen soll man einen wirklich komfortablen Sitzabstand von bis zu 1,15 m geniessen können. Auch gibt es in der Breite etwas mehr Platz, denn statt einer Zweier-Vierer-Zweier Bestuhlung in der Economy Class bietet die “Best Class” eine Zweier-Dreier-Zweier Bestuhlung.

Best Class Eurowings

Eurowings Best Class Kabine Langstrecke A330-200

Der Aufpreis für diese Sitzplätze ist zwar noch mal 50 % teurer, als wenn wir nur die XL Plätze gebucht hätten. Und für das Geld hätte man sich bestimmt einige schöne Dinge kaufen können. Trotzdem! Bei einem über zehn Stunden langen Flug ist das entspannte Ankommen im Urlaub auch einiges wert. Das gilt natürlich genauso für die Rückreise. Es wäre doch schade, wenn bei einem unbequemen 10-Stunden-Flug gleich die ganze Erholung flöten geht.

Ich habe also mit AIDA und mit dem Reisebüro telefoniert und für uns ein Upgrade auf die “Best Class” gebucht. Von den 21 “Best Class” Sitzplätzen waren zu dem Zeitpunkt nur noch 8 verfügbar und ich bin sehr froh, dass es noch geklappt hat. Mein Mann nörgelt nun auch gar nicht mehr herum, dass er so lange fliegen muss. Bei airberlin hätte es so ein Sitzplatz-Angebot für uns nicht gegeben. Deshalb bin ich inzwischen gar nicht mehr so unglücklich über die Umbuchung unseres Fluges.

Allen anderen, die mehr oder weniger von dem airberlin Insolvenzverfahren betroffen sind, drücke ich fest Daumen, dass es ebenfalls gute Lösungen geben wird.

Wer ist denn noch von dem airberlin Insolvenzverfahren betroffen? Und wie wichtig ist für euch auf Langstreckenflügen der Sitzabstand? Seid ihr auch bereit für einen größeren Sitzabstand mehr zu bezahlen oder gebt ihr das gesparte Geld lieber im Urlaub oder für andere schöne Dinge aus?


Weitere Blogposts von mir zum Thema Kreuzfahrt, zu meinen bisherigen Kreuzfahrt Erfahrungen und zu der geplanten Kreuzfahrt in die Karibik findet ihr hier: Kreuzfahrt Blogposts auf infarbe


 

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