Living Trends 2016: Interview mit Dipl.-Designerin Susanne Diemann

Living Trends für Einrichten, Wohnen und Möbel sind nicht so kurzfristig wie Fashion Trends für Mode und Accessoires. Und das ist auch gut so. Denn ein im letzten oder vorletzten Jahr gekauftes T-Shirt oder ein Kleid aus der vorvorletzten Saison hat man mal schnell aus seinem Kleiderschrank aussortiert und durch die neuesten Fashion Trends ersetzt. Aber eine trendige Couchgarnitur oder einen Up to date Esstisch kaufen sich auch die verrücktesten Trendsetter nicht jede Saison neu. Living Trends verändern sich langsamer und haben eine längere Lebensdauer als Fashion Trends. Dipl. Designerin Susanne Diemann verrät uns in diesem Interview die größten Trends für Einrichten, Wohnen, Möbel und Living im Jahr 2016.

Wie heißt der größte neue Living-Trend für 2016?


Susanne Diemann: „Ein ganz entscheidender Living-Trend ist nach wie vor „das echte Erlebnis“, das Verlangen nach „ursprünglicher Natur“. Hier geht es um Authentizität bei Materialien und um Gebrauchsspuren bei Möbeln und Accessoires. Gerade in unserer digitalisierten Welt, in der wir online kommunizieren, online shoppen und online Videos schauen, wird die Sehnsucht nach haptischen, echten Materialien und nach Live-Kommunikation mit unserer Community immer stärker.

Im Bereich Living im Raum sind offene Grundrisse zukunftsweisend, es werden neue Kommunikationszonen zwischen Wohn-, Ess- und Küchenbereich geschaffen. Ein Raum geht in den anderen Raum über und lädt zum „Eintreten“ ein. Raumteiler werden nicht mehr eingesetzt, vielmehr ist „Offenheit“ und „Transparenz“ ein zukünftiger Living-Trend. Deshalb sind modular einsetzbare Sofa-Systeme auch voll im Trend: vom einzelnen Sessel bis zum gesamten mehrteiligen Sofa können Möbelsysteme so aufgestellt werden, dass Sitzen, Liegen und Schlafen jederzeit möglich sind.

Auch das „Casual Dining“ steht für die Auflösung von starren Strukturen, wie wir sie vormals in festen Esszimmern und Esstisch-Gruppen finden konnten. Nachdem die letzten Jahre schon mit einem großen Allzwecktisch zum Wohnen, Arbeiten und Essen mit unterschiedlichen Stühlen gespielt wurde, lösen sich hier auch feste Strukturen auf: Bekannt aus modernen Restaurants wird Essensgenuss in 2016 mit modernen Möbelgruppen in anderen Sitzhöhen angeboten. Hier bieten Bänke zum Tisch, Clubsessel und kleine Sitzgruppen das perfekte Chillout-Feeling zum Dinner mit Freunden und Familie.“

Gibt es Lifestyle-Themen, die im kommenden Jahr besonders angesagt sein werden?

Susanne Diemann: „Es gibt verschiedenste Strömungen, sogenannte Mega-Trends die auch unseren Lifestyle auch in Zukunft begleiten werden: Der nachhaltige Konsum wird weiter wachsen, die gesunde Küche ist weiter auf dem Vormarsch und die vegane Bewegung wird nicht nur in urbanen Ballungszentren zu finden sein. Der Trend nach ursprünglich produzierten Lebensmitteln sowie das nachhaltige und schonende Produzieren von Konsumgütern wird weiter anhalten.

Die Verbraucher werden zumindest in Deutschland immer sensibler gegenüber ressourcenschonender Materialverbrauchen. Heute werden für neue Produktentwicklungen im Bereich Fashion, Interior und Living nicht nur recycelte Rohstoffe verwendet, sondern nachhaltig biologische Materialien wie z.B. Leuchten aus Algen, Verpackungen aus Erdnussschalen, Möbel aus Bakterien, Kacheln aus Kaffeesatz, Textilien aus Brennesselfasern.Das heißt, das „Lernen von der Natur“ wird beim Produzieren von Konsumgütern eine besondere Bedeutung erhalten.“

Was sind die Neuheiten im Bereich Innendekoration?

Susanne Diemann: „Der Einsatz von Innendekoration und Accessoires bekommt 2016 besonders für den Trend „Individualität“ eine besondere Bedeutung: Accessoires wie kleine Vasen- und Schalengruppierungen auf Sideboards oder in Wandpuzzeln spielen eine ebenso tragende Rolle wie metallische Materialien wie z.B. Kupfer und Messing. Auch Handgemachtes wie der neue „Strick-Look“ liegt voll im Trend. Hier sind nicht nur gestrickte Kissen auf der Couch sondern auch Accessoires wie Sitzhocker, Pflanzenkübel oder Lampenschirme ein besonderer Eycatcher, der vor allem eine moderne Gemütlichkeit im Wohnraum ausstrahlen soll.

In 2016 werden besonders Alltagsgegenstände dekorativ: Ob es ein Bluetooth-Lautsprecher in Handtaschenform oder ein Besteck in floraler Optik ist – immer öfter werden Geschirrserien, Bürsten, Scheren und Besen mit figürlichen Formen versehen. Gerade in klaren, reduzierten Einrichtungen tragen besondere Accessoires, Fundstücke von Reisen ferner Länder, sowie auch selbstgefertigte Interiordekorationen zur individuellen Note des Interiors bei.“

Welche Farben und Materialien werden 2016 angesagt sein?



Susanne Diemann: „2016 wird das Jahr der Knallfarben als Akzent zu einem dominierenden Schwarz-Weiß-Effekt und zu den bestehenden Pastell-Farbreihen. Besonders ein vibrierendes Rot, ein leuchtendes Orange und ein explosives Petrol wirken als impulsierender Kontrast zu pudrigen Rosa-, Grau- und Anthrazittönen. Vor allem Gelb wird in 2016 für Solitärmöbel wie z.B. ein gelbes Sofa oder als Akzent auf Kissen und Accessoires im Interiorbereich zu sehen sein, mal als knalliges Zitronengelb, mal als kräftiges Senfgelb oder als zartes Pastellgelb. Gelb wirkt besonders in kleinen Räumen auflockernd und assoziiert Optimismus und Energie. Das Thema Dschungel mit all seinen Grüntönen hält Einzug auf Wanddekorationen und Heimtextilien wie Tapeten und Vorhängen, exotische Blumen- Vogel- und Tiermotive zieren Kissen und Teppiche. Auch Farbverläufe in weichen Streifen sind nach wie vor ein Farbtrend, ebenso wie die Kombination von Uniflächen im Raum mit gemusterten Flächen, die in Form von Tapeten eingesetzt werden. Hier gibt es viele verschiedene Entwicklungen, denn durch neue Technologietrends entstehen dreidimensionale, reliefartige Materialien im Bereich der Wand- und Tapetengestaltung, wie z.B. holografische Techniken, die eine optische Täuschung im Raum hervorrufen. Die metallischen Material-Highlights wie Platin, Kupfer, Gold und glitzerndem Mamor wirken als luxuriöser Eycatcher und lockern besonders die pastelligen Töne im Interiorbereich auf – zum Beispiel in Form von polygon (vieleckig) gestalteten Leuchten, Wohn- und Tischaccessoires.“

Quelle: livingpress

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